



Deutschland in naher Zukunft: ein Land im Dauerkrisenmodus, umstellt von Kriegen, zermürbt von Polarisierung und politischem Stillstand. In diese Müdigkeit hinein steigt Serkan Demir auf, Vorsitzender der jungen Partei IPD, mit dem Versprechen einer „Verantwortungsgemeinschaft aller Menschen, die in diesem Land leben“. Er wirkt unverbraucht, ruhig, glaubwürdig – und genau deshalb unaufhaltsam. Was niemand ahnt: Demir ist nicht die Hand, die die Figuren zieht, sondern selbst eine Figur.
Denn sein Aufstieg ist das Ergebnis einer minutiös geplanten Operation. Hinter ihr steht die DOO – eine seit 1944 operierende Geheimorganisation, die sich als „Korrektur“ versteht: nicht im Dienst eines Staates, sondern dessen, was übrig bleibt, wenn die Staaten scheitern. Mit einer eigenen Söldnerarmee, unbegrenzten Mitteln und Agenten, deren Schicksal an ihren Gehorsam gekettet ist, greift sie immer dann ein, wenn das Gleichgewicht der Welt zu kippen droht. Jetzt hat sie entschieden, dass die Menschheit vor sich selbst gerettet werden muss – ob sie will oder nicht.
Ein Bombenanschlag in Berlin setzt den Mechanismus in Gang. Eine Sonderkommission wird gebildet, und mit ihr rücken zwei Menschen ins Zentrum, die einander näher sind, als ihren Behörden lieb sein kann: Leon Gasser, Leiter der Sicherungsgruppe des BKA, und seine Frau Darija Rothstedt, Leiterin der elektronischen Aufklärung (SIGINT) beim BND. Ihre Ermittlungen führen sie zunächst durch das vertraute Raster aus Verdächtigen – rechtes Lager, Linksextreme, ausländische Dienste – und dann, Spur um Spur, in eine Tiefe, in der nichts mehr ist, wonach es aussieht.
Über ihnen agieren der wahre Strippenzieher: BKA-Chef Manfred Belger, kühler Stratege und Mann mit eigener Agenda, der die Karten der DOO verwaltet. Während Berlin den Atem anhält, verschiebt sich das Spiel längst auf der ganzen Welt – in Moskau, Peking, Washington und Jerusalem.
Im Verborgenen lenkt Hua Xedong, ein chinesischer Wing-Tsun-Meister und heimlicher Erbe einer jahrhundertealten Disziplin, die Fäden einer neuen, multipolaren Ordnung. Was wie ein Kriminalfall begann, weitet sich zu einem geopolitischen Endspiel. Je weiter Leon und Darija vordringen, desto unausweichlicher wird die Frage, die den Roman trägt:
Was, wenn die Verschwörer nicht im klassischen Sinn die Bösen sind? Was, wenn ihr verordneter Frieden tatsächlich funktioniert – um den Preis von Freiheit, Wahrheit und der Illusion, dass man selbst noch wählt? Aufzudecken, was geschieht, könnte bedeuten, das Einzige zu zerstören, das die Welt noch zusammenhält. Bis zuletzt bleibt offen, ob die beiden den Mut – und die Skrupellosigkeit – aufbringen, eine Rettung zu verhindern, die wie eine Unterwerfung aussieht.



