Wahlnachlese 21

Wahlnachlese

Nun kann ich die Koffer doch wieder auspacken. Für den Fall eines RRG-Bündnisses wäre das Exil die einzige Option gewesen. Gott sei Dank ist das offenbar vom Tisch und die Apokalyptischen Reiter werden wohl nicht komplett durch Deutschland ziehen und sich nur in Berlin austoben. Dazu später.

Dennoch sind wir um einige Erkenntnisse und Hoffnungen reicher und die will ich nicht vorenthalten:

Eine Linke, deren derzeitige Ausrichtung von Wokeness, Lifestyle-Revolution und Trotzkismus geprägt ist, will außer in Berlin niemand. Selbst im roten Thüringen läuft die AfD den Linken den Rang ab. Weder die Personalentscheidungen noch die inhaltliche Ausrichtung haben die Linke zu dem gemacht, was sie eigentlich soll - die Interessenvertretung der kleinen Leute. Durch elitäre Bevormundung bekommt man die Malocher nicht. Fazit: Reformieren oder auflösen.
Wie bereits nach Laschis Wahl zum Parteivorsitzenden vorausgesagt, das war es dann mit der CDU. Da das Angilein alle fähigen Leute zu eigenen Machtsicherung weggebissen hatte, blieb für die Kontinuität des Merkel-Kurses nur Laschet übrig. Dass die Menschen sowohl von der Kontinuität die Schnauze voll als auch Laschi nicht haben wollten, hat das Präsidium der CDU nicht gejuckt. Deshalb geht es jetzt ab in die Opposition und der CDU-Filz in den Ministerien wird hoffentlich ordentlich ausgekehrt (und durch SPD-Filz ersetzt). Für die CDU heißt es jetzt Erneuerung und Personalwechsel. Mit Politiker:innen wie Serap Güler, Carsten Linnemann oder Diana Kinnert stehen intelligente junge Menschen bereit, den Laden zu übernehmen. Macht es!
Hätten die Grünen ihre Doppelspitze bis heute durchgehalten, wären sie stärkste Partei geworden. Nun wird es daran liegen, ob Realpolitiker wie Robert Habeck sich gegenüber den Traumtänzern durchsetzen können und eine Zusammenarbeit mit den Liberalen hinbekommen. Die Stunde der Grünen hat jetzt geschlagen, jetzt müssen sie abliefern und ich wünsche dabei ein pragmatisches Händchen. Da ihnen die sozialistische Alternative genommen wurde und die Liberalen die heftigsten Eingriffe verhindern werden, kann es was werden.
Die Liberalen werden mit einem sehr vernünftigen Parteichef Lindner klare Linien zeigen, unter welchen mit der FDP zu rechnen ist. Anders als 2017 will die FDP nun an die Macht und wird Zugeständnisse machen. Diese werden sich aber besonders in den Schnittmengen Digitalisierung und Klimaschutz zeigen. Auch außenpolitisch wird es kaum Dissens geben, weil die rote Karte ja bereits im Skat liegt. Gelingt es Lindner und Habeck, sich zu einigen, können sie sich den Kanzler aussuchen. Sowohl Ole als auch Laschi werden über jedes Stöckchen springen, um ins Kanzleramt zu kommen. Und ich denke, sie werden das wissen und werden sich einigen. Hier besteht die echte Chance für eine Erneuerung Deutschlands. Ich hoffe, sie wird ergriffen. Dazu ist es wichtig, dass die Ideologen zurücktreten und die Pragmatiker die Verhandlungen führen. Wäre toll.
Ja Ole, so kann es laufen. Wenn der FC Bayern mit der zweiten Mannschaft antritt, kann man das Spiel gewinnen, wenn die anderen die Eigentore schießen. Trotzdem Glückwunsch!
Jetzt wird sich zeigen, ob Kevin und Saskia Koalitionsverhandlungen torpedieren oder ob eine SPD der Mitte eine Chance bekommt. Sollten sich die Grünen und Liberalen einigen können, wird Euch eine reale Chance geboten, eine neue Ära zu prägen. Ich bin gespannt, ob Ihr sie nutzt. Schön wäre, wenn bei den Personalentscheidungen auch auf die Bevölkerung geschaut werden würde, in deren Dienst ihr ja angeblich steht. Einen Außenminister zum Bespiel müssen alle gut finden und da hat der Heiko ordentlich verrissen. Außenpolitisch verlasse ich mich auf die SPD-Tradition, dass wir nicht weiter die Speichellecker des Weißen Hauses bleiben - jedenfalls nicht so offensichtlich.
Wenn ich am Abend nicht einschlafen kann, weil mich alles so aufregt, mache ich mir in Zukunft eine Rede von Ole an und schon klappt’s mit dem Tiefschlaf. Aber das hat ja auch was Beruhigendes und zeugt von Vertrauen. Sollte sich die SPD migrations- und integrationspolitisch an ihrer dänischen Schwester orientieren, kann sie das nächste Jahrzehnt prägen. Ärgerlich ist, dass „Frau Scholz“ für ihre Schlafwagen-Bildungspolitik in Brandenburg noch mehr Rückenwind bekommen wird, was uns demnächst im Länderranking auf den letzten Platz treibt.
Für die AfD, die immerhin in Südostdeutschland kräftig abgeräumt hat, bedeutet das nichts weiter, als dass sie sich weiter festigen wird, wenn die etablierten Parteien nicht langsam ihre Wessi-Brille abnehmen und sich infrastrukturell, sicherheitspolitisch und kulturell dem Osten widmen. Ansonsten blüht uns hier eine „Lega-Ost“. Wenn man ein Auto entsorgen will, muss man es nur in Görlitz abstellen - zack - weg. Wenn solche Dinge einfach ignoriert werden, muss man sich nicht wundern.
Berlin. Nun hat es Schummel-Franzi ja doch geschafft. Ihre bemerkenswerte Improvisierungsgabe kann ja in Berlin nicht schaden, kommt man mit rationaler Politik in diesem failed State nicht weiter, sollte es weiter bei RRG bleiben. Ich denke, das wird sich Franzi nicht antun. Falls doch, werden nicht nur die Grenzen Brandenburgs für Berliner Autos geschlossen und der Wohnungsmarkt im Umland vor Zuzug bewahrt, da sich die Berliner ja für Wohneigentumsenteignung entschieden haben und für die erste Öko-Stadt der Welt. Da sollen sie mal mit gutem Beispiel voran gehen und uns per pedes beehren. Da man den durch Kolonialismus, Nationalismus, Militarismus und Nationalsozialismus gezeichneten Namen „Berlin“ im woke-hippen-alternativen Latte-Macciato-Milieu nicht mehr ertragen kann, wird es sicher eine Kampagne zur Umbenennung geben. Mein Vorschlag ist: „Neu-Caracas“. In einer sozialistischen Stadt, die von Clans und poltischen Milizen regiert wird, muss man sich in Noch-Berlin nicht großartig umstellen. Aber meine Hoffnung ist, dass sich Franzi für höhere Dinge berufen fühlt und einst Kanzlerin werden will. Das schafft man nicht mit Kommunisten im Boot. Insofern - alles Gute, gefallene Stadt und viel Glück bei der Wiederauferstehung. Kleiner Tipp: Wenn zu wenig Wohnraum ist, sollte man mal darüber nachdenken, wie viel Zuzug möglich sein sollte.

Fazit: Die Pest ist an uns vorüber gegangen. Die CDU gehört in die Werft, die Linke kann weg, wenn sie so bleibt. Grün und Gelb haben den Staat in der Hand und die SPD könnte wieder eine ganz Große werden, wenn die Realpolitik Einzug hält. Viel Glück! Und mein Exil kann noch warten.