Die neuen Jakobiner

Die neuen Jakobiner

 

Wir warten auf die nächste Bücherverbrennung. Die Statuen fallen schon. Es ist nicht weit, dann brennen wieder Menschen, wenn man den Moralwächtern der Gegenwart nicht langsam Einhalt gebietet. „Der Zweck heiligt die Mittel“, war schon immer eine Losung, die an Bigotterie nicht zu überbieten war - heute dienen lediglich andere ideologische „Alternativlosigkeiten“, um Menschen unter Kontrolle zu bringen. Die Totalität des links-grünen Weltbildes lässt keine Alternativen zu. Wer nicht konform ist, wird gnadenlos an den Pranger gestellt. Dabei verschwinden selbst die Muster einer mittigen Gesellschaft. Wer nicht dem linken Weltbild huldigt, ist rechts - Nazi und darf mit allen Mitteln bekämpft werden.

 

Momentan wird versucht, die Geschichte zu klittern, indem die angeblichen Götzen von Rassismus, Sexismus, Homophobie, Xenophobie und allen möglichen Derivaten der Kritik an  Multikulturalismus fallen. Das erinnert mich an den Versuch der Nazis, Jesus von Nazareth einen arischen Background zu verpassen, was natürlich kläglich scheitern musste. Anstatt Geschichte aus ihrer Zeit heraus zu begreifen und voller Stolz den Entwicklungsprozess der Gesellschaften zu feiern, die sich aus dem Mief diskriminierender Weltbilder emanzipiert haben, sägt man kräftig am Wert historischer Persönlichkeiten, weil deren Ansichten heute nicht mehr tragbar sind. Diese an Einfältigkeit triefende Morallehre, wäre lächerlich, wenn dem nicht breite Unterstützung aus den Reihen rot-rot-grüner Regierungen widerfahren würde. Was wäre das Grundgesetz ohne die harte Abgrenzung vom nationalsozialistischen Rassismus durch das Diskriminierungsverbot hinsichtlich der „Rasse“ - ein Begriff, der zur Entstehungszeit gebräuchlich war? Ja, man kann Begriffe korrigieren - jedoch steht die Sprachpolizei in jeder Ecke und behindert die Menschen bei der Kommunikation, als ob es kein morgen gäbe. Um das Gendersternchen auch im Sprachgebrauch unterzubringen, hackt man den Redefluss ab und bringt die Menschen zu stottern, als ob heute nicht „alle" begriffen hätten, dass bei „Studierenden“ alle 50 Geschlechter gemeint sind. Diejenigen, die das nicht begreifen wollen, werden sich durch die Vergewaltigung der Sprache auch nicht bessern.

 

Wo stünde England heute ohne den Rassisten Churchill, Deutschland ohne den Sexisten Goethe, ohne den Antisemiten Luther? Während man den eigenen grünen Kinderschänder-Trip der erste Jahre heute gerne als „Jugendsünde“ abtun will, kommen inzwischen Kulturgüter ins Fadenkreuz. Das lasen wir aber schon einmal: die Säuberungen unter Stalin, Hitler, die Kulturrevolution unter Mao oder das Zerstören der syrischen Tempel durch den IS - alle diese Aktionen haben das Ziel, die Geschichte zu verändern und Menschen zu züchtigen, die sich das nicht gefallen lassen wollen. Die Geschichtsbücher sind voll mit Menschen, deren Horizont nicht der von heute sein konnte - einfach, weil die Menschheit nicht so weit war. Will man da Vinci heute vorwerfen, dass er es nicht fertig gebracht hatte, einen funktionsfähigen Jet zu bauen? 

 

Ginge es nach den neuen Jakobinern, deren Ziel es ist, die Menschen zu belehren, zu erziehen, wieder mit neuen „10 Geboten“ zu kommen, die einzig und allein den Zweck hatten, Kontrolle auszuüben, wäre die Freiheit dahin. Die „neue Hölle“ ist die Zerstörung von Karrieren, der Verlust von Ämtern oder medialer Shitstorm - der Pranger der Gegenwart.

 

Warum wehrt sich keiner? Wo bleiben die Demonstrationen gegen die geistige Bevormundung, gegen den modernen Wahnsinn im Auftrag von Gleichheit und angeblicher Gerechtigkeit? Wo ist die FDP - die einstige Hüterin der Freiheit? Wo sind die Menschen, die munter gegen die Corona-regeln auf die Straße gehen, warum protestiert keiner gegen die intellektuelle Bevormundung? Weil das Thema von den Rechten, den Identitären und Verschwörungstheoretikern besetzt ist? Weil wir Angst haben, in die rechte Ecke gestellt zu werden? 

 

Dann wird es Zeit, diese Themen mit „Mitte“, „Demokratie“, „Vernunft“ und Freiheit zu füllen.