Der blöde Ossi

Nun wird es tatsächlich passieren - auf der politischen Landkarte zeichnen sich immer mehr die Umrisse der untergegangenen DDR ab. Man wundert sich über den Erfolg der AfD im Osten hat natürlich eine Erklärung parat, jüngst gefunden im Focus von Hanna Klein: 

"Die Frage, die sich aufdrängt: Weshalb nehmen die Menschen in Brandenburg das Thema trotz der niedrigen Zahl an Menschen aus anderen Ländern als ein so drängendes Problem wahr?

Erklärungsansatz 1: Zunächst sind Menschen, die als Asylbewerber nach Deutschland kommen, oft in speziellen Unterkünften untergebracht. Das führt dazu, dass sich mehrere von ihnen an einem Ort aufhalten. Bei den Menschen im näheren Umfeld entsteht so womöglich der Eindruck eines höheren Anteils, als es tatsächlich der Fall ist.

Erklärungsansatz 2: Zudem hat die Gesellschaft in den ehemaligen DDR-Ländern bisher weniger Erfahrung im Umgang mit Menschen aus dem Ausland gesammelt. Der Soziologe Karl-Siegbert Rehberg erklärte 2017 im FOCUS-Online-Interview die aktuelle Entwicklung als einen „Nachholprozess im Osten“. Da in der DDR die Ausländer abseits der sonstigen Gesellschaft lebten, müssten sich die Menschen jetzt erst an die Durchmischung gewöhnen - ein Prozess, den der Westen bereits durchlaufen hätte. Auch dort hätte es eine lange Zeit gebraucht, bis die Offenheit größer wurde.“

 

Überspitzt man diese Ansicht, kommt heraus, dass der Ossi zu doof ist und sich nicht so haben solle. 

 

 

Was ist, wenn Menschen die Erfahrung mit "Durchmischung" eben einfach nicht machen wollen? Ist, etwas wollen zu müssen, plötzlich Gesetz? Ist es verboten, etwas nicht zu wollen? Ist Durchmischen der Gesellschaft ein Schicksal? Sind die Probleme, die es im Westen gibt - denken wir einmal an das Rheinbad oder das wunderbare Neukölln nachahmenswert oder ist es verständlich, dass Menschen, die noch nicht so stark von Durchmischung betroffen sind, eben genau vor diesen Fehlern schauderhafter Integration Angst haben?

Der Gedankengang, dass der Ossi seit Ende der DDR nichts dazu gelernt hat, ist der Grund, warum viele Menschen hier Protest wählen.

Dabei haben die Ossis in den letzten 30 Jahren sehr wohl gelernt, im oder mit dem Westen klar zu kommen - nur haben sie eben im Gegensatz zum Wessi offenbar ein Gespür, wenn sie indoktriniert werden - das kennt man im Westen nicht - der Ossi hat dafür feine Antennen (Lebenserfahrung in der Diktatur). Wenn einem jemand etwas für gut verkaufen will, was nicht funktioniert, ist man entweder blöd oder verblendet - Integration von Generationen fremder Menschen seit Jahrzehnten hat eben nicht funktioniert - die Beispiele erspare ich mir hier. Genau weil es nicht funktioniert hat, wird der, an dem der Kelch bisher vorüber gegangen ist, nicht den gleichen Weg gehen wollen. Was ist daran so schwer zu begreifen? (Masochismus wäre eine Begründung.)

Wer würde eine Konstruktion übernehmen, wenn diese eingestürzt ist? Nun will man den Lesern des Focus einreden, dass man nur keine Erfahrung mit eingestürzten Konstruktionen habe und das alles noch Zeit brauchen würde. Dadurch wird die Konstruktion nicht besser - sondern Ideologie (seit Tausenden Jahren) soll die Menschen verblöden, sich mit Dingen abzufinden, die mies laufen.

Aber hier im Osten erkennt man diese Masche eben.

 

Es ist schwierig genug, zu wissen, was man will - dazu fehlen einem schlicht oft gute Beispiele in einer verrückt gewordenen Welt. Was einfacher ist, ist zu wissen, was man nicht will. Das sind Verhältnisse, wie man sie auf dem „erfahrenen“ Westen kennt, aus den USA, Frankreich oder Großbritannien. Überall dort hat der Integrationsprozess erhebliche Misserfolge und nun wundert sich jemand, dass es Menschen gibt, die auf diese Erfahrung „verzichten“ wollen?

Der Grund, warum die AfD im Osten so erfolgreich ist, ist die flächendeckende Ignoranz, mit der die etablierte Politik die Probleme der Menschen ernst nimmt, die Arroganz, es besser wissen zu wollen als die, die betroffen sind und die „Suppe auslöffeln müssen“ sOboe der unsinnige Versuch, Menschen zur Demokratie erziehen zu wollen, die eine Diktatur aus eigener Kraft abgeschafft haben.