SPD - Untergang mit Ansagen

Die systematische Demontage der sozialdemokratischen Idee in Europa hat historische Wurzeln und erfolgt mit dem Erreichen eigentlch aller eigenen Ziele. Für eine Neuausrichtung, damit der eigene Anspruch "Volkspartei" sein zu können, erfüllt wird, müsste man umdenken.

In der momentanen Krise der Sozialdemokratie in Europa gibt die SPD ein besonders jämmerliches Bild ab. Planlosigkeit, Profilverlust und Personaltheater lassen einen fast auf die Idee kommen, die Partei würde sich umbenennen in DPS (3-P-System), denn mit Labelchange kennen sich die Genossen ja aus. (ADAV + SDAP = SAP > SDAP > SPD > USPD > MSPD > SPD) Mit kleinen Ausfallschritten in Richtung KPD und SED hätte man sich im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands gegen den Willen des damaligen SPD-Granden Lafontaine fast als lernfähig gezeigt, wäre der Spaltungsteufel mit den Hartz-Reformen nicht wieder aus der Versenkung gesprungen und hätte die Linkspartei geboren. Mit dieser erneuten Spaltung ist eine linke Mehrheit zur Utopie geworden, wie sie es vor 1933 schon einmal war. Das Gezänk um den alleinigen Besitz der Wahrheit und die Eitelkeiten der linken Eliten, führen wieder einmal vor Augen, worin das Dilemma der SPD liegt: Realitätsverweigerung.
Gut, Letzteres kann man auch etlichen anderen Eliten unterstellen, aber die sind hier kein Thema.

Es wird über Verantwortung gegenüber dem Staat gesprochen und die Genossen biegen sich die Wirklichkeit so zurecht, dass es auf jeden Fall für Posten reichen wird. Dass die Personalentscheidungen seit Helmut Schmidt alles andere als glücklich waren, wenn wir Schröder einmal heraus nehmen, dessen Realitätsverlust sich erst in der „Elefantenrunde“ 2005 gezeigt hatte, klingt die Geschichte der SPD-Kandidaten - alleine schon, dass es immer nur zum „Kandidaten“ gereicht hat, müsste doch nun einmal die roten Augen öffnen - Scharping, Beck, Steinbrück, Steinmeier, Schulz - ein Riesentheater bei der Inthronisierung und ein Rohrkrepierer folgt dem nächsten. Glaubt hier allen Ernstes jemand, dass das bei Nahles anders wird? 
Dabei geht es auch nicht um Glauben sondern um Wissen. Wir wissen aus der der Geschichte, dass die SPD nur in ökonomisch brisanten Zeiten eine Chance hatte - in der beginnenden Strukturkrise Mitte der 60er und dann noch einmal mit der Krise um die Jahrtausendwende. Dabei waren die Konzepte der SPD nicht etwa damit verbunden, die Ursachen der Strukturkrise zu bekämpfen - dazu hätte man Mut gebraucht. Man hat entweder über Konjunkturprogramme Geld als Schmerztablette verteilt und gewartet, bis das Wachstum wieder anspringt. 


Steigende Staatsverschuldung war dabei nie ein Denk-Hindernis (Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit sind nur Floskeln für den Wahlkampf). Dass nun ausgerechnet Schröder - weiß Gott kein Linker - die neoliberalen Hartz-Reformen anstossen musste und damit die Spaltung der Partei vorangetrieben hat, ist kein Schicksalsschlag sondern selbstorganisiertes Elend, weil man eben fast immer nur bis zu Wiederwahl denkt. Glaubt jemand, dass die Lösung der nächsten Krise in der SPD schlummert?
Aufgerieben in Großen Koalitionen, die sie nun definitiv nicht mehr sind, wenn der eine Partner kaum über 10 % kommt, schmolz die SPD zu einer Mehrheitsbeschafferin der CDU ein und hat damit im Prinzip sogar das Richtige getan, nämlich für ihre eigene Bedeutungslosigkeit gesorgt. Es gibt heute kein einziges sozialdemokratisches Thema mehr - die linken Themen sind in der Linkspartei konsequent besser aufgehoben und die der Mitte bei CDU oder FDP. 
Statt von Verantwortung gegenüber Deutschland zu faseln, zu dessen Niedergang die Genossen in Regierungsverantwortung seit 20 Jahren beigetragen haben, gäbe es tatsächlich einen Dienst, den sie dem Land erweisen könnten: Selbstauflösung in Würde.
Die Linken gehen zur Linkspartei, die Rechten in die CDU oder die FDP und ein paar zu den Grünen. Fertig. Möglicherweise würde man in dieser Konstellation begreifen, dass es momentan keine linke Mehrheit in Deutschland gibt und das machen, was das Land braucht - Opposition gegen den Merkel-Kurs - aber eine, die eine Demokratische linke Alternative für Deutschland wäre. Derzeit gibt es zur Merkel keine Alternative außerhalb der AfD sondern nur „Alibi-Facelift-Reformen“, die keine Änderung sondern maximal Linderung bringen. (Ich klammere hier einmal die FDP aus. Das ist allerdings mehr Hoffnung als Wissen.)
Es ist keine Frage „ob“, sondern nur eine Frage „wann“ die Wirtschaftskrise kommt. Ist dann nur eine Alternative für Deutschland da - Gute Nacht. Aber um eine linke Mehrheit zu organisieren, muss die Spaltung überwunden werden. (Geschichte Klasse 9) 
Die Spaltung überwindet man, indem man die Partei auflöst, die am wenigsten gebraucht wird und die Parteien stärkt, die authentisch sind und bei denen die Menschen wissen, wofür sie stehen (Bei der CDU bin ich mir momentan unsicher, aber das wird sich in der Zeit nach Merkel klären.) 
Fazit: Die SPD kann weg.

Dazu auch: https://www.welt.de/…/Renzis-Absturz-Das-Elend-der-europaei…