USA 2017

USA - plötzlich kein Freund mehr?

Während unsere Politische Klasse nicht müde wurde zu betonen, welche enorme Bedeutung das transatlantische Bündnis habe, schleichen sich nun kleine Risse in die Eindeutigkeit der Aussagen. Natürlich erinnert mich das an die Zeit der Perestroika, als aus der Zauberformel „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“ plötzlich folgender Satz wurde: „Wenn der Nachbar neu tapeziert, müssen wir das ja nicht auch machen.“
Warum ist das so? Der Grund ist immer gleich - Bequemlichkeit. (Bequemlichkeit ist übrigens auch der Grund für alle wesentlichen Innovationen. Oder glaubt jemand, man habe das Rad aus Egoismus erfunden, liebe Liberale?)


Solange die abgedroschenen Phrasen geglaubt wurden („Fluchtursachen bekämpfen - Kriegsgerät nach Saudi-Arabien, Erdogan ist ein Demokrat, Entwicklungshilfe nützt den Menschen in Afrika, Wir retten die Griechen - nicht die Banken, die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, im Himmel ist Jahrmarkt etc.) und man es sich auf dem Thron gemütlich machen konnte, solange die Pfründe und die Geschäfte so verteilt waren, dass die Dinge liefen, gab es keinen Ärger und der Kritiker war der „ewig Gestrige“, „der Konterrevolutionär“, „der Verschwörungstheoretiker“ oder einfach „das Pack“. 
Das ist auch grundsätzlich nicht weiter schlimm, denn in allen Demokratien gelten immer noch Mehrheiten als Garanten für den Machterhalt. Wenn nun aber aus verachteten Minderheiten Mehrheiten zu drohen scheinen, wird es ungemütlich und schon hetzt man die abhängen Medien auf jene, die einem den gemütlichen Thron rauben wollen. Verunglimpfung, Beschimpfung, Kriminalisierung, egal, jeder Hinweis, der dazu dient, des Kritikers Glaubwürdigkeit zu untergraben, hilft. Das ist nicht neu und das machen alle Mächtigen schon immer so. Alle. Keine Ausnahme. 
Besonders aggressiv werden diejenigen Mächtigen, die sich der Tatsache bewusst werden, dass ihre Macht nur geliehen ist (ja, das ist der Nachteil an der Demokratie) und dass die Annehmlichkeiten verloren gehen, wenn einem der Mob das Geschwätz nicht mehr glaubt. Anstatt zu lernen, wird beschimpft. 
Und nun die Personifizierung der „Unmöglichkeit“ auf dem mächtigsten Thron der Welt. (aus 9/11 wird 11/9 - die Umkehrung des Bösen und die Reinkarnation des Satans) 
Das gespielte Entsetzen ist reine Angst. Es ist weniger die Angst, dass der gute Donald es versauen könnte, es ist die Angst vor der eigenen Entbehrlichkeit. Müntefering hat mal gesagt, dass Opposition Scheiße sei und klar ist auch, dass Armani eben irgendwann mal Wirkung hinterlässt, weil da eben ganz andere Türen aufgehen als mit dem Shell-Parka. Wa, Joschka?
Immer wenn die Mächtigen das eigene Volk fürchten, ist es ein Indikator dafür, dass Erstere was verkehrt gemacht haben. Früher konnte das Fehlverhalten einem schon mal den Kopf kosten. Aber selbst in martialischster Zeit, und nun, liebe Polit-Elite, Puls langsam wieder senken, war der Tyrannenmord eher die Ausnahme. Ach, das von Euch verachtete Volk ist genau wie ihr - bequem. Meint ihr, die Deutschen schaffen es innerhalb von 100 Jahren zweimal, auf die Barrikaden zu gehen? Nee, keine Angst, solange das Bier nicht teurer wird, es genug Junkfood zu fressen gibt und die Bundesliga spielt - ist keine Gefahr. 
Außer eben für den Thron, den besteigen die, die dem Volk auf Maul (oder ins Herz oder die Seele) schauen und das seid eben nicht ihr. Dabei gäbe es ein Sprichwort zum allgemeinen Verhalten: „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Aber wer eben nur Singen, Klatschen, Tanzen oder Religion in der Schule hatte … na ja. Stresst Euch nicht, wir schaffen das schon. 
Danke Donald, auch wenn es ein Zeichen von Endzeit ist, wenn Hochkulturen ihre Existenz nur noch mit Gewalt verteidigen können und einer wie du tatsächliche eine Chance bekommt, besser als „weiter so“, ist es allemal. 
Noch ein kleine Wunschzettel kurz vom dem Fest:
Aussöhnung mit Russland oder eben auch Sanktionen gegen die Türkei
NATO reformieren als Verteidigungsbündnis 
Beenden aller Einsätze fremder Soldaten auf fremden Territorien (weltweit)
Globalisierung eindämmen und fairen Handel organisieren 
Bankenrettung verbieten
Ja und wenn vielleicht noch die Regierung zurücktreten könnte … oder wir ändern das Grundgesetz und schreiben ehrlicherweise „Lobbykratie“ statt Demokratie.

Ach so, Bundespräsident: Wie wäre es mit Claudia Roth?