Religion

Das Grundübel der Zeit - wahrscheinlich aller Zeiten - waren und sind Religionen. Während man Drogen den Kampf ansagt, zugegebenermaßen inkonsequent, wenn man sich z.B. Alkohol ansieht, können die Gehirne der Menschen straffrei seit tausenden Jahren verblödet, verblendet und missbraucht werden. Vergleicht man die Zahl der Opfer, die durch Einwirkung von Drogen entstanden sind mit denen, deren Leid durch die Wirkung von Religionen entstanden ist, bleibt nur eine Schlussfolgerung: Religion aus der Öffentlichkeit verbannen. (Das wäre die Weichspülvariante für diejenigen, denen kalter Entzug zu heftig wäre.) Konsequent wäre ein Religionsverbot, aber das wird genauso wenig funktionieren, wie das Drogenverbot - und wer will schon das Denken kontrollieren? Also weg damit aus der Öffentlichkeit. Keine Argumentationen, Rechtfertigungen oder Beeinflussungen mehr im Namen welchen Gottes auch immer. Weg mit Symbolen, Werbung oder wenigstens wie bei den Zigaretten einen Hinweis auf die Inhalte: "Religionen führen zu Kriegen". 


Ja, "mein Gott", die Floskel muss man sich dann abgewöhnen und die paar Feiertage, hat die Konsumgesellschaft doch schon lange für sich vereinnahmt, das fällt keinem mehr auf. Sonst noch was? Bauwerke. Klar, eindeutig Zeichen der Macht - aber das wäre das Geschichte - eine Warnung für die Menschen, den Eiferern nicht wieder auf den Leim zu gehen. 
Wem das nicht reicht, weil der Alltag zu schwer ist - Drogen gehen ja auch - wo es keiner sieht - also den Hokuspokus am gleichen Ort. Ja, okay, das Geschäftsmodell wird etwas komplexer und es gibt ein paar weniger Kriege und Tote, aber meine Fresse, die Menschen sind doch noch blöd genug, sich die Köpfe wegen anderer Dinge einzuschlagen. Nehmen wir erst man den Killer Nr. 1 aus dem Rennen. Alter, ja - der Religionsdealer wird dann illegal, aber vielleicht kann man ja umschulen zum Psychotherapeuten oder so.

 

Und hier, liebe Freunde der anspruchsvollen pseudointellektuellen Unterhaltung, ein Gastbeitrag von Herrn Dr. med. von Nazareth über die Therapie beginnender Islamophobie:

Clermont, Frankreich, Anno Domini 1095
Papst Urban II. ruft den Hochadel Europas zur Befreiung des Heiligen Grabes von den Ungläubigen im Morgenland auf, woraufhin 250 Jahre lang Christen mordend und brandschatzend aus religiösem Fanatismus oder einfach auf der Suche nach Action Richtung Jerusalem marschieren, Massenmord begehen und so tun, als würde irgend ein Gott dies genauso wollen.
Nun sagt man heute trotz der Nichtverjährung von Mord: „Okay, Jungs und Mädels, ihr wart zu dämlich, weil Euch die Katholische Kirche mit Absicht im Glauben gelassen hat, die Erde sei eine Scheibe und in der Käseglocke darüber sei Jahrmarkt. Dass Ihr Euch die nächsten 500 Jahre immer noch die Birne eingehauen habt, welche Version der ältesten künstlichen Befruchtung der Welt nun die richtige sei und wessen Form des Hokuspokus um die Hinrichtung eines Schreiners vor rund 2000 Jahren angemessen ist, finde ich immer noch saudoof, aber ich entschuldige es.“ Schließlich dauerte es noch einen Moment, bis uns geraten wurde, uns unseres Verstandes zu bedienen. 
Das versuchen wir nunmehr seit rund 200 Jahren mit mäßigem Erfolg.

Krimml, Österreich, Grenze zwischen Salzburg und Tirol, 2016
Umringt von hunderten Männern und Frauen aus dem Morgenland, die sich entschieden hatten, die ungeheuer opulenten Körper und Gesichter Letzterer hinter Burkas zu verstecken, damit man ihnen nicht ansieht, wie weit der Wohlstand westliche Problemzonen geschaffen hat, fragt ein blonder bajuwarischer Junge seine Eltern: „Jo mei, soagts omoi, wieso laaffe hier a soi fuil Ninjas doaher?“
Ninjas? Zugegeben, mein Zentralnervensystem brauchte auch einige Millisekunden, bis ich begriffen hatte, womit der offenbar schlechte Religionsschüler aus Bayern die Damen aus den Emiraten soeben verglichen hatte. Ich hätte vor Lachen aufschreien können und wahrscheinlich augenblicklich Dolche im Rücken gehabt, weil die Überzahl der Fans ganzkörperbedeckender Alltagskleidung schier übermächtig war. Hiermit danke ich dem Rindvieh, dessen köstliche durch gewaltsamen Tod herbeigeführte Überreste ich im Mund hatte, nachdem dessen Leben unter Verdauung herrlichster Zeugnisse österreichischer Almwiesen wahrlich ein Himmelreich für Tiere gewesen zu sein schien, dafür, dass ich nicht laut Lachen konnte und somit zum Märtyrer einer im Rückzug begriffenen säkularen Lebensweise wurde. Eine Todsünde im Reiche des Hobbyvegetariers hat mir das Leben gerettet - soviel an dieser Stelle nur zur Omnipotenz dieser neuen „Religion“, falls demnächst einmal gemordet wird, weil Menschen sich falsch ernähren. (Das soll es ja in Teilen des Prenzlauer Bergs schon gegeben haben. :)
Aber nun mal im Ernst. Was sagen wir zu Kindern, die sich darüber streiten, wer welches Spielzeug nun zuerst in der Hand hatte und wir nicht genau verifizieren können, wer recht hat, weil wir nicht dabei waren? „Vertragt euch!“
Leider ist das unter Erwachsenen heute scheinbar nicht möglich, oder der Deckmantel, unter dessen religiöser Verzierung heute Machtspiele gespielt werden, ist so verführerisch, dass man den Verstand ausschaltet. Aber warum, in Gottes Namen, muss dieses Affentheater nun auch noch in den Straßen und auf den Plätzen der Städte erfolgen, in denen immer noch mehrheitlich aufgeklärte Menschen wohnen? 
Gut, wir müssen dafür sorgen, dass alle Kinder ein gleich großes Stück vom Kuchen abbekommen. Aber was sagen wir, wenn die Kinder am Tisch der Eltern immer noch weiter streiten, nachdem das Stück Kuchen für alle gleich war? "Geht in euer (!!!) Zimmer!"

 

 

Die Bedeutung der Religion wurde keinesfalls unterschätzt, im Gegenteil - sie wird aus Dummheit und Ignoranz, aus Angst vor dem Verstand der Menschen und deren Erkenntnissen seit tausenden Jahren überschätzt. Das mag vor der Aufklärung in Ordnung gewesen sein, meinetwegen bis ins 20. Jahrhundert. Inzwischen schicken wir Sonden zum Jupiter, spalten Atome und verändern den Code der Natur - aber wir verkleistern die Gehirne der Menschen immer noch mit hundealten Thesen von Hirten, deren Umsetzung seit 2000 Jahren absolut nicht gelingen will. Wie viele Generationen will man denn diesen Experimenten noch opfern, bis man einsieht, dass Religionen das Gegenteil von dem bewirken, was sie beabsichtigen? Die Bedeutung ist künstlich gemacht - durch Menschen, die Religionen missbrauchen, um Menschenmassen zu lenken. Schluss mit dem Hokuspokus: Religionen aller Art und Sorte gehören in die eigenen vier Wände! Dann ist Schluss mit Stress. Friede, Freude, Eierkuchen. Aber klar, was soll ein CDU-Minister sagen? 

"Religionen sind die Ursache der Übel, die sie zu bekämpfen meinen." (Kay Wünsche 2016)